Konzeption Bühne und Kostüm zu “Tristan und Isolde” von Richard Wagner
Zu Beginn dieses “Hoheliedes auf die Liebe” (dieser Festspiele!) steht eine Natursteinhaft geformte Arena, der Zuschauerraum somit in gewisser Weise gespiegelt. Die gute bürgerliche Gesellschaft ist in Gestalt des Chors allgegenwärtig.
In einer Welt, in der Fast alles normiert ist und unter strikter Selbstkontrolle steht, bildet der Raum eine Remineszenz an Mythen und Natur. Die Protagonisten werden mit zunehmenden Handlungsverlauf immer stärker zur Projektionsfläche der Wünsche und Sehnsüchte der beobachtenden Gesellschaft. Ein authentisches Liebespaar, das gegen alle Wahrscheinlichkeit und allen Regeln zum Trotz gemeinsam die Liebe findet und daran (natürlich?) auch zu Grunde geht. Alles andere wäre falsch. Betrieben durch eine höhere Macht erfüllen Tristan und Isolde die bürgerliche Sehnsucht nach Authentizität.

Wenn Tristan am Ende des ersten Aktes singt “Oh Wonne voller Tücke, oh truggeweihtes Glücke” wird dem durch die räumliche Veränderung am Beginn des zweiten Aktes nachgegangen. Isoldes Welt bricht auseinander. Zwei einsame Seelen, die nur sich selbst haben, bleiben umgeben von gigantischen steinernen Monolithen
zurück im Niemandsland.
Aber ihr ist an dieser Stelle längst entschieden. Das anfängliche, moralische verwerfliche “wollen” ist unter dem Druck der Mehrheit zum authentischen “brauchen” geworden. Tristan und Isolde brauchen einander jetzt um vergessen zu machen, dass draußen stetig Gefängniswärter des bürgerlichen Selbstbewusstseins
auf und ab laufen. Der offene und zugleich geschlossene Raum stellt die Frage offen, ob es eine selbst- oder fremdbestimmte Authentizität ist, bevor das Gefängnis schließlich zerbirst und die Handlung weiter voran getrieben wird.

brangäne und co
Nach der zweiten Pause ist der Bühnenraum unverändert.
Die bürgerliche Gesellschaft tritt bald erneut auf, Anstelle eines Hirten kommen ganz viele Gestalten zwischen den liegenden Blöcken hervor. Was genau sie tun ist unklar. Während des ganzen dritten Aktes hindurch baut die Gruppe an einem gigantischen Denkmal. L O V E steht am Ende da, nachdem die
liegenden Blöcke aufeinandergestapelt und aufgetürmt wurden.
Vier Buchstaben. Klar und einfach. Irgendwie einfacher als L I E B E . Was sie oder das deutsche Pendant aber bedeuten ist dagegen auch nach vier Stunden Oper schwer zu begreifen. Gerade deshalb ist der Schriftzug so plakativ und so gigantisch groß und massiv zugleich. Jeder kennt es und unter der
Last des Wortes (wie auch des Kunstwerkes ! ) könnte man jederzeit zugrunde gehen.
So legt sich Tristan am Ende seines Todeskampes passend in das O hinein um dort zu sterben, während Isolde unter dem sich über sie und das Publikum legenden Schatten ihre Liebesverklärung singen muss.

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